Es war ein herrliches Fondue. Der Langspeer steckt ihm noch immer zwischen der zweiten und dritten Rippe. Er bedauert doch sehr, dass sie ihn nicht in die Wanne voll siedenden Öls bugsieren konnten. Das wäre ein Fest, und ihm wäre es endlich einmal warm gewesen. Zu schwer sei er, sagten sie. Das müssen all die Unzulänglichkeiten sein, die ihm so schwer im Magen lägen, beruhigt er sich und dreht sich auf die Seite, weil man mit dem Speer in der Brust so schlecht auf dem Bauch schlafen kann.
Am nächsten Morgen wacht er auf, macht sich einen Kaffee und läuft vergnügt die fünf Minuten zur Arbeit, wobei der Speer auf und ab federt wie ein Lineal aus billigem Plastik.
Dort stirbt er endlich und wird drei Tage später verbrannt - ohne Öl, dafür aber mit viel Wasser.
Arakasi - 1. Mär, 23:24
Ich sah jemanden,
Der mich an dich erinnerte,
Bevor du ängstlich wurdest.
Ich wünsche du hättest so bleiben können.
Ich sah ein kleines Mädchen.
Ich blieb stehen und lächelte sie an.
Sie schrie und rannte weg.
Das passiert mir mehr und mehr zur Zeit.
Und diese Lieder, die du singst
Bedeuten die denn irgendwas
Für die Menschen, denen du sie vorsingst?
Menschen wie du.
Ich sah die Fotografie
Einer Frau, die ein Bad
In hundert Dollar Noten nimmt.
Wenn die Kälte sie nicht tötet; das Geld wird es.
Ich las eine Zeitschrift
In der stand, dass mit 17
Dein Leben an einem Ende angekommen ist.
Ich bin tot und vollkommen zufrieden.
Und diese Lieder, die ich singe,
Bedeuten die denn irgendwas
Für die Menschen, denen ich sie vorsinge?
Menschen wie du.
Und diese Lieder, die wir singen,
Bedeuten die denn irgendwas
Für die Menschen, denen wir sie vorsingen?
Heute Nacht tun sie es.
Charlotte Gainsbourgh - The Song That We Sing
Arakasi - 1. Mär, 00:26
Es regnet Grießbrei an der Front, als Gefreiter Steeger plötzlich aufsteht, um über die Schokoladengräben zurück zu blicken. Unter ihm färbt sich der glitschige Boden rot, als würde man zu dem Griesbrei Hagebuttenmarmelade essen, doch ist es das Blut von den Kugeln, die sich durch sein Fleisch fressen. Beruhigt, dass hinter ihm noch alles in bester Ordnung ist, kniet sich Steeger wieder hin und steht nicht wieder auf Hauptmann Kohlmann verteilt eine Runde Zigaretten und gibt als Tagesziel die Brotkrustenabsperunng 70 Meter weiter vorne bekannt. Dazu passt dann zumindest die Hagebuttenmarmelade.
Arakasi - 28. Feb, 00:25
Isolierter Sonnenschein frisst sich
kalt in meinen verdrahteten Kopf.
Würde ich den Teddybären nicht
in den Armen halten, würde ich dich freundlich,
mit Verbeugung, zum Tanze auffordern.
Doch ich verkrieche mich unter der
Bettdecke aus Maulwurf. Sie schreien:
"Die Luft ist dicht mit Geistern"
Ich weiche den Stalagmiten aus,
die sich aus meiner Matratze bohren.
Morgen werde ich nach New York reisen,
um dort 5 Wochen durch zu schlafen.
Dann baue ich einen Tunnel unter dem
Broadway, und komme so Abend für Abend
in jedes Theater-Musical-Kino.
Arakasi - 26. Feb, 00:38
Geduld, du irrsinnig-schnelles Biest in pechschwarz. Ich beiss dir in die Kehle damit du still hälst, doch löse ich mich, entgleitest du mir wie der Fisch am Haken. Darum sitze ich hier nun und werfe blutrote Köder, denn dein See trocknet aus, und meine Tränen wirst du nicht bekommen - hoffentlich. Fange ich dich, schlage ich deinen Kopf solange auf die blanken Holzbohlen, bis du dich nie wieder rührst. Fange ich dich nicht, schlage ich meinen Kopf solange an die bleierne Wand, bis ich mich nie wieder rühre.
Arakasi - 25. Feb, 03:55
Mein Spiegel hat einen Defekt. Er zeigt alle Gegenstände mit beängstigender Schärfe, nur wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich ein konturloses Wesen, das keinen Schatten wirft. Und von Tag zu Tag werde ich transparenter und wohl irgendwann unsichtbar.
Meine Emotionen müssen repariert werden. Die kleinste Gefühlsaufwallung in der Öffentlichkeit würde zu einem Tsunami, wenn ich nicht alle Kraft aufbiete, dies zu verhindern. Daheim, alleine, bringt mich eine mitreißende Zeile in einem Buch oder ein pathetischer Hollywood-Film dazu im Gefühlsmeer zu ertrinken.
Meine Zweifel lassen sich nicht ausschalten. Wie der Türsteher, der bei stark geschminkten Mädchen zwei Mal auf den Ausweis schaut, ob dieser nicht gefälscht ist, überprüfe ich jede Situation, die mir auch nur ansatzweise maniriert erscheint, darauf, ob mich jemand gerade vernachlässigt oder hintergeht. Ich muss gedanklich alles hinterfragen, kann nicht einfach davon ausgehen, dass der andere mich auf keinen Fall verletzten möchte, und mich mag.
Doch das ist bald vorbei. Ich werde nämlich unsichtbar und unverletzbar - oder es findet sich noch eine andere, lebenswertere Lösung, die bisher aber nicht mehr ist als ein flüchtiger Schemen.
Arakasi - 15. Feb, 23:33
Erst wenn der graue Raum verschwindet, ich kein graues Essen mehr zu mir nehme und ich keine grauen, leeren Worthülsen mehr vor mir fallen lasse - und jene hinter mir wieder einsammele - wache ich wahrhaft wieder auf.
Jedes Erwachen bis zu diesem Punkt fühlt sich falsch an, wie auch der Raum kein zu Hause, sondern ein Gefängnis ist, das graue Essen nur nach Staub schmeckt und die Worthülsen so vergänglich sind, wie mein Name, wenn er auf die graue Wasseroberfläche geschrieben wird.
Ich warte auf Farben, Geschmack und Bedeutung. Ich warte schon wieder zu lange.
Arakasi - 9. Feb, 00:44
Ich träume so selten - etwas woran ich mich nach dem Aufwachen erinnern kann.
Vielleicht deswegen die ganzen selbst erdachten Visionen und Utopien?
Gerade bin ich mir nicht sicher, ob diese auch nur den berühmten Funken Wahrheit, und die nicht weniger bekannte harte Realität, enhalten.
Verzweifelt klammere ich mich, wie ein Schiffbrüchiger an seine Planke, an digitale Aufzeichnungen, die mir beweisen sollen, dass Erlebnisse tatsächlich geschehen sind. Wie der Schiffbrüchige den Horizont nach Land oder Schiffsbewegungen absucht, so suche ich nach Regungen von dir.
Irgendwann, gar nicht so viel später, verdurstet der Schiffsbrüchige, denn Salzwasser taugt soviel zum Überleben wie Hoffnung.
- Nichts.
post scriptum:
In selten Fällen werden Schiffbrüchige tatsächlich gesucht - und sogar gerettet.
Arakasi - 7. Jan, 01:38
Manchmal genügt ein kleiner Silberfunke am Horizont, damit man irgendetwas sieht: Hoffnung, Zukunft, Lösung.
Ich sehe Schwärze -
nicht die oftmals inspiererende, reinigende Dunkelheit, sondern ausschließlich sich-ins-Nichts-erstreckende Schwärze.
Arakasi - 14. Nov, 20:51